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Warum streiten wir immer über dasselbe?

  • Autorenbild: Valentina Granata
    Valentina Granata
  • 20. Aug.
  • 3 Min. Lesezeit

Wenn hinter kleinen Konflikten eigentlich etwas anderes steckt


Stell dir folgende Situation vor: Du kommst nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag nach Hause. Du öffnest die Küchentür und dein Blick fällt sofort auf die Arbeitsplatte – sie steht voller dreckigem Geschirr. Obwohl ausgemacht war, dass die Küche heute aufgeräumt wird.

In dir zieht sich sofort alles zusammen. Ein altbekannter Kloß macht sich im Hals breit, gefolgt von einer Welle der Wut. Als dein Partner den Raum betritt, platzt es aus dir heraus: „Du hast schon wieder nicht daran gedacht!“ Er rollt genervt mit den Augen und murmelt: „Egal was ich mache, es ist sowieso nie genug.“

Und schon brennt die Luft.



In meiner Praxis in Piesendorf höre ich in Paartherapien solche oder ähnliche Sätze immer wieder. Der Anlass verändert sich – mal ist es das Geschirr, mal das Smartphone oder eine vergessene Verabredung –, aber der Streit fühlt sich für die Paare trotzdem erstaunlich ähnlich an. Man findet sich mitten in einem Konflikt wieder, den man gefühlt schon hundertmal geführt hat.


Manchmal geht es eben gar nicht um die Spülmaschine.


Wenn es eigentlich um etwas anderes geht

Hinter wiederkehrenden Konflikten liegen häufig emotionale Bedürfnisse, Erwartungen oder alte Verletzungen, die im Streit selbst kaum ausgesprochen werden. Wir streiten auf der Sachebene – während es darunter oft um unsere Beziehung und die Verbindung zueinander geht.


  • Hinter einem tiefen Seufzer und dem Satz „Du hilfst mir nie“ steht in Wahrheit oft die verletzliche Frage: „Kann ich mich überhaupt noch auf dich verlassen, wenn es hart auf hart kommt?“

  • Hinter dem Vorwurf „Du bist ständig am Handy“ steckt meistens die Sehnsucht: „Bin ich dir eigentlich noch wichtig? Siehst du mich noch?“

  • Und hinter einem genervten Rückzug oder dem Verlassen des Raumes kann Überforderung stecken: „Egal was ich jetzt sage, ich habe das Gefühl, es nur noch schlimmer zu machen.“


Das Schwierige daran: Beide Partner reagieren irgendwann nicht mehr nur auf die aktuelle Situation, sondern auf ein bereits bekanntes und häufig festgefahrenes Muster.


Der Teufelskreis: Wenn Protest auf Rückzug trifft


Ein typisches Muster, das mir in der Paartherapie begegnet, ist die Dynamik aus Protest und Rückzug.

Ein Partner kritisiert, fordert oder klagt an, weil er sich allein gelassen, nicht gesehen oder nicht ernst genommen fühlt. Der andere erlebt genau diese Kritik als Angriff, fühlt sich überfordert und zieht sich zurück.

Dieser Rückzug verstärkt beim Gegenüber jedoch genau das Gefühl, allein gelassen zu werden – die Kritik wird lauter oder dringlicher. Daraufhin zieht sich der andere noch stärker zurück.

So entsteht ein Kreislauf, zu dem beide beitragen, obwohl keiner von beiden ihn bewusst gewählt hat.


Nicht gegeneinander, sondern gemeinsam auf das Muster schauen


In meiner Arbeit mit Paaren geht es deshalb nicht darum, einen „Schuldigen“ zu finden oder zu entscheiden, wer recht hat. Viel interessanter ist die Frage:

Was passiert eigentlich zwischen uns, wenn wir in diese

Situationen geraten?

Wenn Paare beginnen, ihren gemeinsamen Kreislauf zu erkennen, kann sich der Blick aufeinander verändern. Nicht mehr der Partner oder die Partnerin wird zum Problem, sondern das Muster, in das beide immer wieder miteinander geraten.

Aus Vorwürfen können wieder Bedürfnisse werden. Hinter Rückzug wird vielleicht Überforderung sichtbar. Und aus zwei Menschen, die im Konflikt gegeneinander kämpfen, können wieder zwei Partner werden, die gemeinsam auf das schauen, was zwischen ihnen passiert.

Und manchmal wird dann deutlich: Es ging tatsächlich nie nur um das dreckige Geschirr.


 
 
 

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